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Sonnengenuss - aber richtig!Endlich der Sommer ist da! Die Sonne scheint, die Luft ist warm und gutgelaunte Menschen bevölkern die Straßencafés und Parks, treiben Sport im Freien oder relaxen beim Baden. Weg mit den warmen Klamotten, rein in die luftigen Shirts und Shorts wieder mehr Haut zeigen! Schließlich soll bis zum Sommerurlaub spätestens! die Winterblässe einer gesunden Bräune gewichen sein. Gesunde Bräune? Ist sie wirklich gesund? Was muss man beachten, damit aus dem Wohlgefühl von heute nicht irgendwann schlimme Spätfolgen wie Hautkrebs entstehen? Es stimmt schon: Sonnenstrahlen sind wichtig für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Sie regen den Stoffwechsel und die Durchblutung an, sie erhöhen die Produktion von so genannten Glückshormonen, die unsere Stimmung aufhellen, und sie sind notwendig für die Produktion von Vitamin D, das für den Knochenaufbau benötigt wird (s. Kasten). Aber: ein Zuviel an Sonne ist schädlich! Hat nicht fast jeder schon mal einen Sonnenbrand durchlitten? Unangenehm, aber geht vorbei? Der Sonnenbrand schon, aber die Haut mit zwei Quadratmetern Fläche unser größtes Organ vergisst nicht. Oft erst nach Jahren oder Jahrzehnten präsentiert sie die Rechnung für allzu sorglosen Umgang mit der Sonne: wenn man Glück hat "nur" durch vorzeitige Hautalterung, im schlimmsten Fall aber durch Hautkrebs.
Die Sonne schickt Strahlen unterschiedlicher Wellenlängen zur Erde. Etwa die Hälfte davon ist sichtbares Licht, 44 Prozent ist Infrarot(IR)-Strahlung (Wärmestrahlung) und sechs Prozent ultraviolette (UV)-Strahlung. Vor allem die unsichtbaren UV-Strahlen stellen eine große Gefahr für unsere Haut dar. Zwar wird ein Teil durch die Erdatmosphäre absorbiert, aber fast die gesamte UVA- und ein Teil der UVB-Strahlung gelangt doch zur Erdoberfläche aufgrund der Ausdünnung der Ozonschicht in den letzten Jahren sogar noch mehr als früher. Welche Wirkung hat ultraviolette Strahlung auf die Haut? Die eher langwellige UVA-Strahlung dringt tief in die Hautstruktur ein, schädigt das Bindegewebe und lässt die Haut schneller altern. Es gilt als gesichert, dass sie auch das Immunsystem schädigt und als wahrscheinlich, dass sie Hautkrebs auslösen kann. UVA-Strahlen bewirken eine schnelle Bräunung der Haut, die aber nicht lange anhält. Fatalerweise hat man früher angenommen, dass von UVA nur wenig oder gar keine Gesundheitsgefährdung ausgeht und hat den Schutz vor dieser Strahlung lange vernachlässigt. Die kurzwelligeren und damit energiereicheren UVB-Strahlen dringen nur bis zur Basalzellschicht der Haut vor und verursachen dort die spät einsetzende, dafür lang anhaltende Bräunung. UVB ist aber auch für die Entstehung von Sonnenbrand verantwortlich und somit ein großer Risikofaktor für Hautkrebs. Ein biologisch sinnvoller Effekt der UVB-Strahlung ist die Bildung einer so genannten Lichtschwiele, einer Verdickung der Hornschicht der Oberhaut, die - sofern sie genügend ausgeprägt ist - die tieferen Hautschichten vor UV-Schäden schützt. Auch die von vielen Menschen so heiß begehrte Bräunung ist ein Schutzmechanismus der Haut. Sie entsteht dadurch, dass UVB-Strahlen in den pigmentbildenden Zellschichten die Produktion von Melanin auslösen. Dieser Farbstoff legt sich dann wie ein dunkler Schutzmantel um die Zellkerne, absorbiert einen Großteil des einfallenden UV-Lichts und schützt so die DNA-Erbinformation vor Strahlenschäden. Durch die Melanin-Einlagerung wirkt die Haut insgesamt braun. Ob dies allerdings als Bildung einer "gesunden Hautfarbe" bezeichnet werden kann, bleibt dahingestellt ... Reichen die körpereigenen UV-Schutzmaßnahmen nicht aus (oder lässt man ihnen nicht genügend Zeit, sich zu entwickeln), passiert sehr Unangenehmes: Die UVB-Strahlung dringt in tiefere Hautschichten vor und verursacht dort die Ausschüttung von Entzündungsstoffen, den Prostaglandinen. Diese wiederum lösen die typischen Symptome des Sonnenbrandes aus: Rötung, Schwellung, Brennen und Jucken der Haut. Meist heilt ein Sonnenbrand in ein bis zwei Wochen wieder aus, in schweren Fällen können jedoch Hautverdickungen oder helle Narben zurückbleiben. In jedem Fall beschleunigt ein Sonnenbrand die Hautalterung und es bilden sich vorzeitig Falten und Altersflecken. Aber es kann noch schlimmer kommen: Die energiereichen UV-Strahlen können die Erbsubstanz so massiv schädigen, dass die körpereigenen Reparaturmechanismen überfordert sind. Im ungünstigsten Fall teilen sich die Zellen dann ungehemmt und es entsteht Hautkrebs. "Leider müssen wir feststellen, dass die Häufigkeit von Hauttumoren seit den 1980er-Jahren deutlich zunimmt", beklagt der Hautarzt Dr. med. Rainer Gollhausen aus Dachau. "Sicherlich spielt dabei eine übermäßige Sonnenbelastung der Haut eine zentrale Rolle. Insbesondere Sonnenbrände in der Kindheit und Jugend erhöhen das Risiko deutlich, in späteren Jahren ein bösartiges Melanom zu entwickeln." Zum Glück gibt es aber zahlreiche Möglichkeiten zu verhindern, dass es zu so gravierenden Hautschäden kommt. Das Zauberwort heißt Sonnenschutz und wird gerade in Zeiten wachsender Ozonlöcher immer wichtiger. Die wirksamste Sonnenschutz-Maßnahme ist zugleich auch die einfachste: im Schatten bleiben! Besonders Menschen mit sehr heller und empfindlicher Haut sollten die pralle Sonne möglichst meiden, weil sie nur über einen sehr geringen Eigenschutz der Haut verfügen (vgl. Kasten "Welcher Sonnentyp bin ich?"). Das gilt erst recht für die Mittagszeit zwischen 11 und 15 Uhr, in der die Sonneneinstrahlung bis zu 150-fach stärker sein kann als morgens oder abends. Auch Babys und Kleinkinder sollten unbedingt im Schatten bleiben, denn für Kinderhaut ist die Gefahr eines Sonnenbrandes etwa zehnmal größer als für Erwachsene. Kleinkinder an einen schattenlosen Strand mitzunehmen grenzt an versuchte Körperverletzung! Doch Vorsicht: Schatten ist nicht gleich Schatten! UV-Licht wird durch Wasser stark reflektiert und so mancher vermeintliche Schattenplatz an der Hafenmole oder Strandbar kann eine beachtliche UV-Streustrahlung aufweisen. Sonnenschirme und -segel erzeugen zwar angenehmen Schatten im sichtbaren Lichtbereich, halten aber je nach Material und Farbe oft nur wenig UV-Licht ab. Hier kann der UV-Schutzfaktor UPF (engl. UV Protection Factor) informativ sein, sofern er auf dem Label angegeben ist. Dieser Faktor sagt praktisch das gleiche aus wie der Lichtschutzfaktor (LSF) von Sonnencremes, nämlich wie viel mal länger man mit diesem Schutz in der Sonne bleiben kann, wobei sich die tatsächliche Verweildauer nach dem Hauttyp richtet. Ist allerdings ein solcher UPF-Faktor nicht angegeben, sollte man vorsichtshalber rechtzeitig "echten" Schatten aufsuchen. Auch für den "Schatten zum Mitnehmen" die Kleidung ist der UV-Schutzfaktor eine wichtige Größe. Ein einfaches weißes Baumwollhemd besitzt zum Beispiel einen UPF von 10, dichte dunklere Baumwollkleidung erreicht Werte von etwa 20. Spezielle Webverfahren und Chemiefasern, die UV-Strahlen absorbieren, ermöglichen bei speziellen Sonnenschutztextilien sogar UPF-Werte von bis zu 80. Woran erkennt man Textilien mit einem hohen UV-Schutz? Durch bloßen Augenschein ("gegen das Licht halten") lässt sich nämlich kaum beurteilen, wie gut das Material vor UV-Strahlung schützt. Man ist daher auf die entsprechende Produktauszeichnung der Hersteller angewiesen. Die führenden europäischen Hersteller lassen ihre Produkte nach dem UV-Standard 801 von neutralen Prüfinstituten unter Gebrauchsbedingungen untersuchen, das heißt auch Einflussgrößen wie Dehnung, Durchnässung, Abrieb und Pflege werden berücksichtigt. Auf dem Label solcher zertifizierter Produkte wird dann die UV-Schutzwirkung als UV Protection Factor UPF in Verbindung mit dem Begriff &Mac226;UV Standard 801' ausgewiesen. Einen Herstellernachweis für solche Produkte findet man unter www.uvstandard801.de. Speziell für Kinder, die gerne am oder im Wasser spielen, gibt es zertifizierte UV-Schutzbekleidung, so genannte "Swim"- und "Beachwear". Diese besitzt nicht nur einen sehr guten UV-Schutz, sondern trägt sich auch angenehm und trocknet rasch. Auch für Sportler wird eine Vielzahl an Outdoor- bzw. Funktionsbekleidung angeboten, die den besonderen Erfordernissen der Sportart angepasst ist und effektiv vor UV-Strahlung schützt. Allerdings muss man für die Anschaffung solcher Kleidung etwas tiefer in die Tasche greifen. Wer jedoch seine Haut direkt der Sonne aussetzen will und sie gleichzeitig vor UV-Strahlung schützen möchte, dem steht eine große Auswahl kosmetischer Sonnenschutzmittel zu Verfügung. Prinzipiell können diese auf drei Arten wirksam sein: chemisch, physikalisch oder biologisch. Chemisch wirkende Sonnenschutzmittel enthalten Substanzen, die die UV-Strahlen aufnehmen und in (ungefährliche) Wärme umwandeln. Um diese Wirkung zu entfalten, müssen sie aber schon etwa 30 Minuten vor dem Sonnenbad aufgetragen werden. Physikalisch wirkende Mittel beinhalten Pigmente wie Zink- oder Titanoxid, die UV-Licht reflektieren, streuen, brechen und absorbieren und so ihr Eindringen in tiefere Hautschichten verhindern. Sie wirken sofort und eignen sich besonders gut für Menschen, die auf die chemischen Mittel allergisch reagieren, allerdings verleihen sie der Haut einen oft unerwünschten leicht weißlichen Glanz. Seit kurzem sind auch Sonnenschutzmittel auf dem Markt, die zusätzlich biologische Wirkstoffe enthalten. Pflanzliche Antioxidanzien (Licochalcone A, Polypodium Leucotomos PLE) schützen die Haut, indem sie freie Radikale, die durch UV-Licht entstehen, abfangen und neutralisieren. Wichtigstes Kriterium für ein Sonnenschutzmittel ist sein Lichtschutzfaktor, abgekürzt LSF. Das ist der Wert, der mit der Eigenschutzzeit der Haut multipliziert die Zeitdauer ergibt, wie lange man sich in der Sonne aufhalten darf. Der Eigenschutzzeit hängt vom Hauttyp ab (vgl. Kasten Welcher Sonnentyp bin ich?). Ein Beispiel: Sie sind Hauttyp II und haben eine Eigenschutzzeit von durchschnittlich 15 Minuten. Wenn Sie ein Sonnenschutzmittel mit dem Lichtschutzfaktor 20 verwenden, können Sie sich pro Tag insgesamt 300 Minuten, also fünf Stunden in der Sonne aufhalten.
In der Praxis hat dieses System jedoch Schwächen. Zum einen schätzen viele Menschen ihre persönliche Eigenschutzzeit zu hoch ein und verwenden einen zu niedrigen Lichtschutzfaktor, zum anderen gilt die Berechnung nur, wenn ausreichend Sonnenschutzmittel aufgetragen wird. Die meisten Sonnenanbeter verwenden jedoch viel zu wenig! Produktprüfungen zur LSF-Ermittlung erfolgen mit zwei Milligramm Sonnenschutzmittel pro Quadratzentimeter Haut. Das bedeutet, dass für das Eincremen des Gesichts etwa die Menge eines Kaffeelöffels verwendet werden sollte. Hochgerechnet reicht eine 150 ml-Flasche bei vorschriftsmäßigem Auftrag gerade für etwa fünf Ganzkörperanwendungen. Forscher haben nachgewiesen, dass meist nur ein Viertel der empfohlenen Menge Sonnenschutzmittel verwendet wird. Das bedeutet aber nicht, dass der LSF ebenfalls auf ein Viertel sinkt (was schon schlimm genug wäre!). Der LSF sinkt bei zu wenig Creme nämlich exponentiell, das heißt, ein LSF 16 fällt bei Auftrag eines Viertels der empfohlenen Menge auf LSF 2 ab! Leider ist auch der Irrglaube weit verbreitet, dass durch wiederholtes Auftragen des Mittels die Lichtschutzwirkung verlängert oder gar erhöht werden kann. Das stimmt definitiv nicht! Man sollte zwar mehrfach nachcremen - auch wasserfeste Mittel -, aber nur, um den Schutz zu erhalten, nicht um ihn zu verlängern oder zu erhöhen. Das gilt besonders nach dem Baden, Abtrocknen oder wenn man stark schwitzt. Wer einen besonders hohen Lichtschutzfaktor benötigt zum Beispiel Wassersportler oder Bergsteiger , der sollte auf Sunblocker (Faktor 40 und höher) zurückgreifen. Diese eignen sich auch als Intensivschutz für die Sonnenterrassen Nase, Ohren, Schultern, Dekolleté und Füße. Ein weiteres Manko des Lichtschutzfaktors ist, dass er nur zum UVB-Schutz genaue Angaben macht. Heute weiß man aber, dass auch ein Zuviel an UVA schwere Gesundheitsschäden nach sich ziehen kann. Daher wird inzwischen der UVA-Schutz eines Produkts durch ein spezielles Logo auf der Packung kenntlich gemacht. Es besteht aus den Buchstaben UVA in einem Kreis und signalisiert, dass der UVA-Schutz des Produkts ein Drittel des Schutzes gegen UVB-Strahlen beträgt. Achten Sie beim Einkauf darauf! Aktuell werden von der Industrie auf freiwilliger Basis neue UV-Schutz-Vorgaben der EU-Kommission in die Praxis umgesetzt. Dazu gehört auch eine neue Einteilung und Kennzeichnung der Schutzwirkung: Anhand von vier Aussagen soll der Verbraucher das Schutzniveau eines Produkts jetzt einfacher bewerten können: niedrig (Basisschutz; LSF 6, 10), mittel (LSF 15, 20, 25), hoch (LSF 30, 50) und sehr hoch (LSF größer als 50). Aber auch hier gilt: Diese Aussagen treffen nur zu, wenn genügend Mittel aufgetragen wurde.
Die Verträglichkeit von Sonnenschutzmitteln ist individuell recht unterschiedlich, man muss also ausprobieren (am besten schon vor dem Urlaub), welche Präparate man am besten verträgt. Es gibt einige Orientierungspunkte: Sonnenmilch eignet sich in der Regel für alle Hauttypen, da sie wenig Fett und viel Wasser enthält. Sie lässt sich gut auf großen Hautflächen verteilen. Sonnencreme besteht aus Fett, Öl und Wasser und eignet sich daher gut für trockene Haut und für das Gesicht. Aufgrund ihrer Konsistenz ist es etwas mühsamer, sie großflächig aufzutragen. Sonnengel enthält kein Fett und ist daher besonders für Personen mit fettiger Haut geeignet. Es lässt sich leicht vom Körper abwaschen, daher sollte es nach dem Baden und nach spätestens zwei Stunden wieder neu aufgetragen werden. Spray ist für normale und fettige Haut geeignet, insbesondere behaarte Körperstellen lassen sich gut damit schützen. Allerdings: Auch Sprayen hält nicht lange und muss öfter wiederholt werden. Sonnenöl sollte eher auf schon vorgebräunter Haut verwendet werden, da es meist einen geringen Lichtschutzfaktor besitzt. Immer wieder gibt es Berichte in den Medien, dass bestimmte chemischen UV-Filter eine hormonartige Wirkung auf die Umwelt haben könnten. Bisher gründen sich diese Aussagen nur auf einzelnen Studien, wirkliche Beweise konnten noch nicht erbracht werden. Auch die in einigen Produkten verwendeten Nanopartikel stehen (wie die anderer Erzeugnisse) in der Diskussion. Noch ist unerforscht, wie sich diese neuartigen Materialien, die technologisch sicherlich viele Vorteile haben, langfristig auf die Gesundheit und die Umwelt auswirken werden. Hier gibt es noch viel Forschungsbedarf. Dass allerdings Sonnenschutzmittel vor allem viel besuchte Badegewässer durch ihre Chemikalien belasten, ist unstrittig. Immerhin kauften die Deutschen im Jahr 2008 insgesamt fast 5,5 Millionen Liter das entspricht über 39.000 randvolle Badewannen.
Sollten Sie irgendwann einmal eine verdächtige Hautveränderung an sich feststellen, gehen Sie zum Arzt! Seit 2008 wird flächendeckend Hautkrebs-Screening angeboten. Mit dieser als Kassenleistung (ab 35 Jahren) angebotenen Untersuchung können Hautkrebserkrankungen frühzeitig erkannt werden. Bereits jetzt nehmen rund 90 Prozent der niedergelassenen Hautärzte in Deutschland am Screening teil. Darüberhinaus bieten auch über 30.000 Hausärzte das Screening an, die dann bei Bedarf an den Hautarzt überweisen. Autor: Dr. rer. nat. Hans H. Guldner, Dachau Dieser Beitrag ist leicht gekürzt 2009 in HautinForm das Magazin aus der Hautarztpraxis erschienen
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